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Klartext 6:  Warum die Aussage „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ schädlich ist.   

Unter der Rubrik „Klartext“ möchten wir Sie zum Nachdenken anregen. Dabei greifen wir Themen oder Thesen auf, die uns im Markt begegnen.  Unter der Rubrik „Klartext“ formulieren wir klar, deutlich, manchmal zugespitzt, auf keinen Fall aber gefällig und nicht im typischen Berater-Sprech.

Heute wollen wir uns mit einer heiklen These beschäftigen: Warum die Aussage „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ womöglich schädlich ist!

Lassen Sie uns darüber diskutieren! Wir sind auf Ihre Kommentare gespannt. 

 

Gehen wir der Sache einmal auf den Grund.

 

Sobald man eine Unternehmung gründet, muss man den Geschäftsgegenstand angeben. Uns ist kein Fall bekannt, in dem „Mensch in den Mittelpunkt stellen“ als Geschäftsgegenstand eingetragen wurde. Vielmehr dürfte es so sein, dass z.B. mit der Entwicklung und dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen Geld verdient werden soll.

Also: Es geht darum, Geld zu verdienen! Da man es üblicherweise nicht einfach geschenkt bekommt, muss man dafür etwas tun, z.B. Produkte oder Dienstleistungen anbieten. 

Das ist dann der formulierte Geschäftsgegenstand! „Wir entwickeln und verkaufen xyz- Maschinen“. Vielleicht hat sich die Geschäftsführung noch ein Ziel gegeben, wie „die besten xyz-Maschinen und wollen in 5 Jahren zu den Top 3 Firmen in Europa gehören“.

DAS ist der Mittelpunkt des Handels dieser Unternehmung!

Wenn es auf einmal heißt „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, würden wir als Gesellschafter des Unternehmens die Geschäftsführung fragen, warum nicht mehr der ursprüngliche Geschäftsgegenstand im Mittelpunkt steht.

Wir meinen: „Mensch im Mittelpunkt“ lenkt davon ab, worum es wirklich geht.

Das wird dann noch verstärkt durch Funktionen wie „Feel-Good-Manager“ oder „Chief Happiness Officer“! Schauen Sie mal bei Wikipedia, die Titel gibt es wirklich!

Der Punkt ist: Der Geschäftsgegenstand der Firma steht im Mittelpunkt!

 

Das schafft aber natürlich keine Geschäftsführung allein, sondern es bedarf dazu Menschen. Menschen, die die Maschinen entwickeln, produzieren und verkaufen.

Diese Menschen sind nicht einfach da, sie müssen gefunden, gewonnen und ans Unternehmen gebunden werden. 

Der Mensch, der dieses Arbeitsangebot annimmt, bestätigt, dass er die Aufgaben und Tätigkeiten für den hinterlegten Zweck, man kann auch sagen „Wirkung“, erbringen wird. Dafür bekommt er ein Entgelt bzw. alles, was vertraglich vereinbart wurde.

Weder im Arbeitsvertrag noch in der Stellenbeschreibung wird stehen „Wir stellen Sie in den Mittelpunkt“.

 

Fakt ist: Firmen brauchen Menschen. Denn diese entwickeln die Produkte und Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet. Sie verkaufen diese, sie beraten potenzielle Kunden etc.

Ach ja, Kunden: Auch dies können Firmen sein. Eine Firma kann aber (zumindest noch nicht) selbstständig z.B. Investitionsgüter oder Roh-Hilfs- und Betriebsstoffe kaufen oder erkennen, dass eine Dienstleistung benötigt wird.  Diese Funktion übernimmt wiederum ein Mensch.

Er steht aber nicht im Mittelpunkt, sondern der Kauf des Produkts steht im Mittelpunkt.

Wenn ständig die Befindlichkeiten von Personen im Zentrum sind und vorrangig behandelt werden, leidet der Unternehmensgegenstand und leidet die ERGEBNISORIENTIERUNG. Und das stellen wir bei sehr vielen Firmen fest: Fehlende Ergebnisorientierung.   

In unserer Praxis treffen wir Top-Entscheider an, die vier Punkte in den Vordergrund stellen:

  • Stärkere Ergebnisorientierung
  • Stringente Prozesse und deren Einhaltung
  • Steuern anhand von KPI/Kennzahlen
  • Verbessern der Führungsfähigkeit der mittleren Führungskräfte

Da steht nichts von „den Menschen in den Mittelpunkt stellen“!

Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, bewirkt auch nichts im Sinne o.a. Ziele.

Es ist nur eine Wohlfühl- oder Werbeaussage, die gefällig klingt. Am Ende geht es um das Erzielen von Ergebnissen und das Erzielen von Gewinnen. Das kann anstrengend sein, dazu ist Arbeit erforderlich, Disziplin, Intelligenz, Geschick und vieles mehr. Es kann manchmal sogar belastend sein, es kann einen ärgern und aufregen. Das ist normal. Arbeitsplätze sind keine Wohlfühloasen.

Man kann diese Aussagen alle bis zur Unkenntlichkeit mit Weichzeichner überziehen.

Tun Sie das nicht! Formulieren Sie klar und deutlich, was Sie von Ihren Mitarbeitenden erwarten, damit das Unternehmen erfolgreich ist.

ABER:

Ohne Menschen wird es nicht funktionieren. Also benötigen Unternehmen Menschen, und zwar als Mitarbeitende und als Kunden. Fällt eine Gruppe aus, wird das Unternehmen verschwinden.

Damit Sie die für Ihre Unternehmung besten Personen gewinnen und langfristig binden, die die besten Maschinen oder Dienstleistungen entwickeln und die besten Verkäufer sind, müssen Sie einiges bieten und diese Menschen gut, besser sehr gut, behandeln! Dazu müssen Sie wissen, was diese Menschen antreibt, bewegt und interessiert. Sie müssen sich mit ihnen befassen.

So gesehen stimmt die Aussage doch: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Dies soll dann aber auf Gegenseitigkeit beruhen: Die Firma stellt den Menschen in den Mittelpunkt, dafür stellt der Mensch seine Arbeitskraft mit der erwünschten Wirkung in den Mittelpunkt!

IHRE Aufgabe als verantwortliche Führungskraft ist es, diese Haltung in Ihrem Unternehmen zu etablieren und die Personalgewinnung danach auszurichten.